„Plötzlich sind alle aufgeschreckt“: Wie der Neustart am Russenweiher gelingen soll

Speyer. Am gestrigen Abend kam es zu einem Großeinsatz am Russenweiher, nachdem hunderte Fische in den flachen Uferbereichen to

Am Freitagabend haben sich im Neuland knapp 100 Menschen zusammengefunden, die sich für den Russenweiher einsetzen wollen. Deutlich wurde: Bei aller Aufbruchsstimmung sind die Herausforderungen groß. Martin Schmitt hat die Initiatoren Nicole Kruck und Siegfried Steinbrenner gefragt, wie sie sich die Zukunft des Sees vorstellen.

Frau Kruck, Herr Steinbrenner, Sie haben zum Engagement für den Russenweiher aufgerufen und ganz viele sind gekommen. Zufrieden? Kruck: Zufrieden? Ich bin überwältigt. Mit so einer Resonanz habe ich nicht gerechnet. Das gibt mir ein gutes Gefühl, dass wir es schaffen, den Weiher zu erhalten.Steinbrenner: Besser kann ich es auch nicht sagen. Nahezu hundert Besucher bei unserer Info-Veranstaltung, das ist ein starkes Signal, dass den Menschen ihr See wichtig ist.Ihre Initiative steht unter dem Motto „Russenweiher – erhalten und gestalten“. Was gab dafür den Anstoß? Kruck: Das Fischsterben vom 11. auf den 12. September hat mich schockiert. Ich bin oft am Weiher, gehe da gern abends spazieren. Als ich die unzähligen Fische gesehen habe, die verzweifelt nach Luft schnappten, und die vielen toten, fühlte ich mich hilflos und traurig. Aber der Anblick war für mich auch Ansporn. Ich wollte nicht nur schimpfen, dass andere nichts tun, ich wollte selbst aktiv werden und habe angefangen, Mitstreiter zu suchen.Sie, Herr Steinbrenner, sind über die Anglerfreunde dazugestoßen. Steinbrenner: Ja, und das, obwohl ich selbst kein Angler bin und bloß gern Fisch esse (lacht). Aber als ich mitbekommen habe, wie schlecht es um den See steht, habe ich mich gefragt, was ich tun kann. Ich war Geschäftsführer eines Familienbetriebs. Ich kann rechnen, organisieren und Kontakte knüpfen. Daher habe ich den Anglern meine Unterstützung angeboten. Sie haben sie angenommen.Das kann man wohl sagen: Sie wurden am Freitagabend einstimmig zum neuen Vorsitzenden des 34 Mitglieder zählenden Vereins gewählt. Das sollte Ihnen reichlich Rückenwind geben. Steinbrenner: Mein Vorgänger Danijel Markovic ist ins zweite Glied gerückt, weil klar wurde, dass er zu weit weg wohnt, um sich um alles zu kümmern. Sie haben Recht: Wir, deren Herzen am Weiher hängen, befinden uns in einem guten Fahrwasser. Denn bei allem Unglück: Dass er umkippte, hat das Augenmerk auf den Russenweiher gelenkt. Plötzlich sind alle aufgeschreckt und wollen was tun.Angler, Anwohner, Verwaltung und Lokalpolitik sitzen in einem Boot? Steinbrenner: Ganz genau. Diese Welle müssen wir reiten. Wir Angler sind mit unserer Säuberungsaktion am Samstag in Vorleistung getreten, um zu zeigen, dass es uns ernst ist, uns aktiver einzubringen. Die Stadt will sich ebenfalls stärker engagieren als bisher. So wird es nächstes Jahr zwei weitere Lüfter für den See geben. Dann hätten wir sieben. Auch ein weiterer Stromanschluss wird gelegt. Die Apparate bewirken tatsächlich etwas. Vor Kurzem haben wir aus einem halben Meter Tiefe Wasserproben gezogen. Die Sauerstoffsättigung liegt demnach zwischen 95 und 100 Prozent. Der See ist zudem voller Fische. Er lebt offensichtlich wieder auf.Das hängt auch mit der Jahreszeit zusammen: Es ist kälter, die Biomasse wächst nicht mehr, Zersetzungsprozesse verlangsamen sich und verbrauchen weniger Sauerstoff. Das sieht im Frühjahr wieder anders aus. Steinbrenner: Daher brauchen wir ein Konzept, wie wir den Fortbestand des Weihers langfristig sichern. Zumal jetzt schon klar ist, dass die meterdicke Schicht von Faulschlamm am Seegrund aus Kostengründen nicht ausgebaggert wird.Worin sehen Sie das größte Problem? Steinbrenner: Am meisten gibt mir die wuchernde Wasserpest zu denken. Diese aus Nordamerika eingeschleppte Wasserpflanze vermehrt sich massiv. Im Russenweiher können wir von Juli bis in den Oktober hinein nicht mehr angeln, weil sich die Fische im dichten Unterwasserdickicht verstecken. Wenn die Pflanzenreste im Herbst absterben, bindet ihre Verwesung so viel Sauerstoff, dass der Weiher wieder umzukippen droht. Der Bestand muss also unter Kontrolle gehalten werden, vielleicht mithilfe eines Mähboots.Kruck: Es gibt ja Gutachten der Uni Landau zur Ökologie des Weihers und wie sich die Situation verbessern ließe. So könnte die Stadt Flachwasserzonent aufgefunden wurden oder nach Luft schnappten. Die Feuerwehr Speyer forderte umgehend einen Fachberater des Technischen Hilfswerks (THW) an, um die Situation zu bewerten und Sofortmaßnahmen einzuleiten.Nach einer ersten Erkundung der Lage wurde der Technische Zug alarmiert, um den Weiher mit dringend benötigtem Sauerstoff zu versorgen. Zu diesem Zweck installierte das THW neben den bereits von der Feuerwehr aufgestellten Belüftungswerfern zusätzliche Elektrotauchpumpen sowie die leistungsstarke Großpumpe “Hannibal”. Das Ziel war, den Sauerstoffgehalt des Wassers zu erhöhen und so weiteres Fischsterben zu verhindern.Auch das THW aus Germersheim wurde hinzugezogen, um beim Retten der noch lebenden Fische zu unterstützen. Im Laufe des Einsatzes wurde deutlich, dass die Maßnahmen erfolgreich waren und die Fische im Weiher verbleiben konnten.Insgesamt waren rund 40 Einsatzkräfte aus zwei THW-Ortsverbänden mit neun Fahrzeugen und zwei Anhängern vor Ort im Einsatz. Dank des schnellen und koordinierten Handelns von Feuerwehr und THW konnte das akute Fischsterben eingedämmt werden.Text: Bundesanstalt Technisches Hilfswerk Ortsverband SpeyerGroßeinsatz wegen Fischsterben im RussenweiherAm Abend des 11. Septembers 2024 wurde die Feuerwehr Speyer zu einer Geruchsbelästigung an den Russenweiher alarmiert, wobei auch auf tote Fische verwiesen wurde.Die erste eintreffende Mannschaft der Feuerwehr bestätigte den Sachverhalt. In den flachen Uferbereichen des Russenweihers hatten sich hunderte Fische angesammelt, welche nach Luft rangen oder bereits verendet waren. Der diensthabende Leitungsdienst wurde umgehend informiert.Daraufhin wurde durch diesen entschieden, einen Großeinsatz von Feuerwehr und dem Technischen Hilfswerk (THW) einzuleiten.Die Feuerwehr nahm das Hytrans Fire System in Betrieb und setzte fünf mobile Wasserwerfer ein, um Sauerstoff in den See einzuleiten. Weitere Tragkraftspritzen standen bereit. Das THW setzte seine Hanibal-Pumpe sowie weitere Tauchpumpen ein, um die Zirkulation innerhalb des Russenweihers zu verbessern. Ebenfalls wurden auf der gegenüberliegenden Uferseite mehrere Wasserwerfer eingesetzt.Um die im Weiher verbleibenden Fische zu retten, wurden parallel zum Einsatz Fischereiberater*innen hinzugezogen. Die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD Süd) gab am späten Abend des 11. Septembers 2024 die Zustimmung, die Fische in den Binsfeldsee umzusiedeln. Die Durchführung wurde mit Hilfe zweier Angler vorbereitet, jedoch wurde festgestellt, dass die Fische sich wieder vom Ufer zurückgezogen hatten. Daher konnte darauf geschlossen werden, dass die Einbringung von Sauerstoff durch Wasserwerfer sowie die weiteren Maßnahmen wirksam waren.Die Feuerwehr sowie das THW waren mit bis zu 70 Einsatzkräften sowie Fachberatern vor Ort. Es wurden 15 Fahrzeuge eingesetzt. Die Anzahl an eingesetzten Kräften konnte noch im Laufe der Nacht auf ein Minimum reduziert werden, die Pumpen werden derzeit jedoch weiter betrieben.